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Berufsunfähigkeitsabsicherung Selbständige

Haben selbständige Unternehmer eine Chance, eine Berufsunfähigkeitsrente zu bekommen?

Seit der Staat die gesetzlichen Berufsunfähigkeitsleistungen Anfang des 21. Jahrhunderts zusammengestrichen hat boomt das Geschäft mit privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen. Sie wird von Millionen Kunden als Einkommensersatz in Form einer festen monatlichen Rentenleistung abgeschlossen für den Fall, dass man durch gesundheitliche Probleme (z.B. durch eine schwere Krankheit wie Schlaganfall, Krebs oder Herzinfarkt) seinen Job bis zur Rente dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Eine vernünftige Sache, wenn man in so einer Lage nicht von Sozialhilfe oder den aufgebauten Ersparnissen leben möchte – könnte man meinen.

Was sich für jeden Erwerbstätigen, der sich und ggf. eine Familie ernähren muss, als logische Entscheidung darstellt, könnte sich bei genauerer Betrachtung stellenweise als große Mogelpackung entpuppen. Denn während so eine Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Angestellten meist eine sinnvolle Sache ist, stellt sich für selbständige Unternehmer in den meisten Fällen die Frage, ob es rausgeworfenes Geld ist.

Unserer Erfahrung nach haben rd. 70% der selbständigen Unternehmer eine Berufsunfähigkeitsversicherung in der Vergangenheit abgeschlossen. Teilweise noch in Zeiten als Angestellte, teilweise bereits nachdem sie sich selbstständig gemacht haben um einen Einkommensersatz bei dauerhaftem Verlust der Arbeitsfähigkeit abzusichern. Was diese nicht bedacht haben, ist: wann bezahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung eigentlich, vor allem wenn man selbständiger Unternehmer ist?

Was ist der Beruf des Unternehmers?

Wie der Begriff „Berufsunfähigkeitsversicherung“ schon sagt versichert man sich für den Fall, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können – zunächst einmal unabhängig davon aus welchem Grund. In nahezu allen Fällen ist den Leistungsvoraussetzungen der Versicherungspolicen zu entnehmen, dass „man für einen Zeitraum von mind. 6 Monaten zu mind. 50% nicht mehr in der Lage sein muss, seinen zuletzt ausgeübten Beruf auszuüben“. So die Theorie. Aber: was ist denn eigentlich der Beruf des Unternehmers? Wie definiert sich dieser?

Fakt ist, dass es keine Ausbildung zum Unternehmer in Deutschland gibt die als Definitionsstandard taugen könnte. Mit 10€ Einsatz für eine Gewerbeanmeldung ist man selbständiger Unternehmer. Für einige Berufszweige gibt es Mindestnormen, wie z.B. den Meisterzwang in einigen Handwerksberufen oder bei Freiberuflern. Aber auch hier scheiden sich schon teilweise die Geister. Denn während der Elektrikermeister, der als 1-Mann-Unternehmer den Beruf des „Elektrikers“ auch tatsächlich ausübt definiert sich das Tätigkeitsprofil des Elektrikermeisters, der 20 feste Mitarbeiter hat und möglicherweise keine einzige Steckdose mehr selbst auf der Baustelle installiert, vollkommen anders.

Folglich ist die Antwort auf die Frage, was denn eigentlich passieren müsste damit man zu 50% seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, bei selbständigen Unternehmern selbst in derselben Branche vollkommen von der Einzelsituation abhängig. Dieser „Interpretationsspielraum“ lässt viel „offenen Raum“ für Diskussionen – sowohl für den versicherten Unternehmer, aber auch für die Versicherungsgesellschaft. Hier liegt die häufigste Ursache dafür, dass es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien und letztlich meist zu Rechtsstreitigkeiten kommt. Nicht umsonst bekommt man von manchen Beratern empfohlen, bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch gleich eine Rechtschutzversicherung abzuschliessen (aber bitte nicht bei der gleichen Gesellschaft). Man weiß ja nie.

Woran bemessen sich die mind. 50% Unfähigkeit, meinen Beruf als selbständiger Unternehmer ausüben zu können?

Eine zusätzliche, spannende Fragestellung ist, woran sich die mind. 50% Unfähigkeit bemessen in denen der Unternehmer seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Unterstellt, es würde sich am zeitlichen Einsatz bemessen, dann ergibt sich die Frage, ob der theoretische Zeiteinsatz oder tatsächliche Zeiteinsatz die Bemessungsgrundlage darstellt.

Denn während ein Vollzeit-Angestellter i.d.R. eine vertraglich festgelegte Arbeitszeit von 7 bis 8 Stunden täglich hat nach der er sich in den Feierabend begibt, sind die Arbeitstage bei selbständigen Unternehmern meist lange noch nicht beendet. Arbeitsstunden von 10-14 Stunden pro Tag sind eher Regel aus Ausnahme bei Unternehmern. Bedeutet dies, dass man bei 14 Stunden regelmäßiger, tatsächlicher Arbeitszeit mind. 7 Stunden nicht mehr in der Lage sein darf seinen Job auszuüben?

Durch Hinzuverdienstgrenzen werden Versicherungsleistungen zusätzlich torpediert

Wurden die Hoffnungen auf ein Ersatzeinkommen durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Ernstfall noch nicht durch die beschriebenen Fallstricke abgewürgt kommt das dicke Ende möglicherweise durch die Hintertür. Denn selbst wenn man die Leistungsvoraussetzungen erfüllt kann man als selbständiger Unternehmer unter bestimmten Umständen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung dennoch in die Röhre schauen. Das Stichwort heißt „Hinzuverdienstgrenze“. Was ist das?

Im Kleingedruckten der Berufsunfähigkeitspolicen ist nahezu immer geregelt, dass die Rentenleistung gekürzt oder eingestellt wird sobald man anderweitigen Einkünfte hat die ein bestimmtes Niveau überschreiten. In den meisten uns bekannten Fällen lautet die Definition in etwa so: „Sofern ihre tatsächlichen Einkünfte während der Rentenbezugsdauer 80% ihrer vorherigen Einkünfte übersteigen haben wir das Recht, die Rentenleistung zu kürzen oder einzustellen.“

Einmal angenommen, ein geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH ist durch einen Schlaganfall nicht mehr in der Lage, die Geschäfte zu leiten und scheidet daher als Geschäftsführer der GmbH aus. Er erhält kein Gehalt mehr, denn wo keine Arbeitsleistung da auch kein Gehalt. Seine Anteile am Unternehmen behält er aber, schliesslich hat er sich das jahrelang erarbeitet und stellt einen Vermögenswert dar von dem er auch im Sinne eines passiven Einkommens bei guten Ergebnissen der Firma weiter profitieren kann. Über eine Unternehmervollmacht hat er rechtzeitig geregelt, sich in einem solchen Fall in der Gesellschafterversammlung von seiner Frau oder Steuerberater vertreten zu lassen.

Da er nun kein Gehalt mehr hat und zu mind. 50% nicht mehr als Geschäftsführer arbeiten kann müsste die Berufsunfähigkeitsversicherung nun einspringen. Oder nicht?

Theoretisch Ja. Aber was, wenn die Firma Gewinne macht und er eine Gewinnausschüttung als Gesellschafter des Unternehmens erhält? Ist das kein Einkommen?

Oder er privat die Betriebsimmobilie hält die er an das Unternehmen vermietet hat und monatlich eine entsprechende Miete durch die Firma erhält? Sind Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung auch Einkommen? Könnte es sein, je nach Konstellation, dass alleine die Mieteinkünfte aus der Betriebsimmobilie 80% des vorherigen Einkommens aus seiner Geschäftsführertätigkeit ausmachen?

Oder darf man z.B. als Unternehmer, der das Augenlicht verloren hat und seitdem blind ist (was wohl eine größere Einschränkung darstellt die eine 50% Unfähigkeit nach sich zieht), seine Erfahrungen in Vorträgen und Büchern weitergeben und damit Geld verdienen, weil sonst „körperlich nichts fehlt“ und der Person zu Hause die Decke auf den Kopf zu fallen droht?

„Wenn Sie solch anderweitigen Einkünfte haben brauchen Sie doch die Berufsunfähigkeitsrente gar nicht!“

Der ein oder andere Vertreter der Versicherungsgesellschaften argumentiert bei den Hinzuverdienstgrenzen, dass es ja keine Rentenzahlung braucht, wenn man eh genügend anderweitiges Einkommen hat. Einmal angenommen die versicherten Unternehmer würden das auch so sehen (was zweifelhaft ist): müssten dann nicht auch die über Jahre und Jahrzehnte gezahlten Beiträge in einem solchen Fall zurückerstattet werden? Wie Sie vermutlich ahnen, ist das in der Praxis nicht der Fall. Uns ist kein derartiger Fall in mehr als 20 Beratungsjahren zu Ohren gekommen.

Fazit: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Klar ist – das Thema „Berufsunfähigkeitsversicherung für selbständige Unternehmer“ wirft bei genauerer Betrachtung Zweifel auf, ob dies die richtige Form der Einkommensabsicherung für Unternehmer ist. Der „Interpretationsspielraum“ ist zu groß und birgt ein enormes Risiko, sich auf etwas zu verlassen was im Ernstfall nicht ist – und man dann verlassen ist.

Es gibt alternative Absicherungsformen die den Anforderungen von Unternehmern gerechter werden. Genannt seien z.B. eine Grundfähigkeitenversicherung, eine Absicherung bestimmter (schwerer) Krankheiten oder auch eine Pflegeversicherung. BEVOR Sie aber vorschnell handeln (und z.B. Ihren Vertrag kündigen) empfehlen wir Ihnen, einfach die Probe aufs Exempel zu machen: wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, dann fragen Sie Ihren Vertragspartner wie er die oben geschilderten Sachverhalte geregelt hat. Senden Sie Ihrer Versicherungsgesellschaft ein Schreiben in dem Sie zu den o.g. Punkten schriftliche Auskunft verlangen. Ein Musterexemplar senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.


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